Bühl/Rastatt/Baden-Baden (ar). Am Samstag gab es für die Freiwilligen Feuerwehren der mittelbadischen Region ein Novum, denn zum ersten Mal wurden die Leistungswettkämpfe inmitten einer belebten Innenstadt durchgeführt. Rund 350 Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner aus dem Landkreis Rastatt und dem Stadtkreis Baden-Baden belagerten die Bühler Innenstadt und bewiesen vor Tausenden von Schaulustigen, dass sie fit für den Einsatz sind.

Normalerweise findet die Abnahme der Leistungsübungen zum Erhalt des Feuerwehr-Leistungsabzeichens Baden-Württemberg eher an versteckten Plätzen, in Gewerbegebieten oder anderen großräumigen Geländen außerhalb der lebhaften Zentren statt. Doch dieses Mal hatte Günter Dußmann, Stadtkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Bühl, die Idee, die Wettkampfbahn in der Bühler Einkaufsmeile aufzubauen, um die Feuerwehren, die Tag und Nacht, 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr für ihre Mitmenschen zur Hilfe bereit sind, auch direkt zu den Menschen zu bringen.

„Das war ein riesiger logistischer Aufwand für die Bühler Kameraden“, lobte Kreisbrandmeister Heiko Schäfer die Bühler Wehr, die bereits Tage zuvor unzählige Vorbereitungen zu treffen hatte. 320 Meter Sperrgitter wurden angemietet, um die Hauptstraße und die Eisenbahnstraße im Zentrum bereits am Freitagabend abzusperren. Die Stadtwerke Bühl wurden eingespannt, um den Hydranten noch schnell zu reparieren, die beiden Feuerwehrkameraden Oliver Linz und Rainer Ruschmann bauten in den Rathausabgang einen Löschwasserbehälter für 700 Liter Inhalt, zahlreiche Poller und Straßenschilder mussten entfernt und die Übungsmaterialien aufgebaut werden. Rund um das Feuerwehrgerätehaus in der Steinstraße wurde die Fahrzeughalle ausgeräumt, gesäubert und mit Festbänken eingerichtet. Insgesamt waren am Samstag über 70 Frauen und Männer der Bühler Feuerwehr im Einsatz, um die Organisation zu bewältigen. Unterstützt wurden sie von der Werkfeuerwehr Bosch.

„Es war die richtige Entscheidung, die Arbeit der Feuerwehren einmal direkt zu den Menschen zu bringen. Da erhielten die Kameraden für ihre Leistungen sogar Applaus von den Zuschauern“, freute sich Kreisbrandmeister Heiko Schäfer, der den Funken Hoffnung hat, dass 2020/2021 die Leistungswettkämpfe vielleicht in der Rastatter Innenstadt sein könnten. „Wir wollen einen Einblick in das Feuerwehrgeschäft geben, und vielleicht kommt ja der eine oder andere zur Feuerwehr“, bemerkte Jürgen Segewitz, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Rastatt.

Insgesamt 31 Gruppen beteiligten sich in diesem Jahr an den Leistungsübungen, deren Richtlinien im Feuergesetz Baden-Württemberg neu gefasst, jedoch keine Verpflichtung sind. Dennoch beteiligen sich seit über 50 Jahren Feuerwehrangehörige, die den Lehrgang Truppführer erfolgreich abgeschlossen haben, an den Wettkämpfen, die ein gutes Training für die Aus- und Weiterbildung sind, den Teamgeist und das Erlernte festigen und auf den Ernstfall bestens vorbereiten.

50 bis 100 zusätzliche Übungsstunden nehmen die Teilnehmer hierfür in Kauf, trainieren zusätzlich zu dem normalen Feuerwehralltag zweimal die Woche, denn jeder Handgriff muss bei den von Oberschiedsrichter Martin Karle und seinen 23 Schiedsrichtern überwachten Leistungsübungen sitzen. Die Herausforderung der Organisation im Wettkampfbüro hatten Christina Pisterer und Klaus Gress.

Eine steigende Tendenz gibt es bei der Beteiligung der Feuerwehrfrauen. Wie Oberschiedsrichter Martin Karle informierte, nahmen in diesem Jahr rund 30 Frauen an den Leistungsübungen teil. „Frauen sind in unseren Reihen bei der Feuerwehr gewünscht, denn sie sind wertvolle Mitglieder“, so Verbandsvorsitzender Jürgen Segewitz. Gruppenführerin Daniela Lang von der Feuerwehr Gaggenau hatte bereits in den Vorjahren die Leistungsprüfungen in Bronze und Silber bestanden. Am Samstag stand sie das erste Mal als Gruppenführerin vor ihren Kameraden. „Das letzte halbe Jahr haben wir für heute trainiert, damit die Mädchen und Jungen richtig ausgebildet sind, wenn sie in den Einsatz gehen“, sagte sie. Doch auch die Kameradschaft und der Zusammenhalt würden durch die Leistungsübungen gestärkt, das letztlich sich positiv auf die Arbeit auswirke, so Daniela Lang. Auch die Feuerwehr Sinzheim war stark mit Frauen präsent an diesem Tag, denn unter der Führung von Regina Himmel standen zusätzlich drei Feuerwehrfrauen ihren Mann.

„Es ist gut, dass es Menschen gibt, die das alles auf sich nehmen, um anderen zu helfen; Hut ab!“, sagte eine Frau, die zum Shoppen nach Bühl gekommen war und sich nun als Zuschauerin outete. „Wenn man die Feuerwehr schon mal gebraucht hat, weiß man sie zu schätzen“, sagte Peter Rogge aus Bühlertal, der das erleichternde Gefühl kennt, wenn man die Sirene hört. Auch Faman Shohr war mit seinem sechsjährigen Sohn San gekommen, denn San möchte unbedingt später zur Feuerwehr. „Das ist eine tolle Sache, was die heute in der Stadt zeigen“, so Shohr. Und während der laute Ruf „Zur Menschenrettung mit Steckleiter ins erste Obergeschoss zum rechten Fenster vor!“ zu hören war, saßen die Menschen mit spannenden Blicken im Straßencafé, klatschten Beifall und bestaunten mit Respekt die Leistungen der Feuerwehren.

Um das Feuerwehrgerätehaus feierten unterdessen die ersten bestandenen Gruppen in der „Gold-Lounge“ oder im Freien, wo am Nachmittag die „Ratz-Fatz-Buben“ aus Kappelrodeck kräftig mit Polka und Marsch einheizten.