Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, bei einem Brand nicht mehr rechtzeitig reagieren zu können. Bei der Senioren-Union erklärt Feuerwehrkommandant Oliver Haas, worauf es im Ernstfall ankommt – und welche Gefahren sich schon mit wenig Aufwand vermeiden lassen.
Feuerwehrkommandant Oliver Haas erklärt bei der Senioren-Union im Café Gaus, worauf ältere Menschen beim Brandschutz achten sollten. Foto: Nina Tossenberger
von Nina Tossenberger
vor 1 Stunde 2 Minuten vor 59 Minuten
Eine vergessene Kerze, eine überlastete Steckdose, ein defekter E-Bike-Akku: Oft sind es alltägliche Dinge, die einen Brand auslösen. Warum solche Situationen gerade für ältere Menschen gefährlich werden können, erklärte Feuerwehrkommandant Oliver Haas bei der Senioren-Union im Café Gauß in Bretten.
Die größte Gefahr geht nicht von den Flammen aus, sondern vom Rauch.
Oliver Haas
Feuerwehrkommandant
In Deutschland kommt es nach Angaben von Haas jährlich zu rund 200.000 Bränden, etwa 350 Menschen sterben dabei. „Die größte Gefahr geht nicht von den Flammen aus, sondern vom Rauch“, sagte Haas. Besonders für ältere Menschen könne das lebensgefährlich werden.
Sinneswahrnehmung und Reaktionsfähigkeit lassen nach
Mit zunehmendem Alter ließen Sinneswahrnehmung und Reaktionsfähigkeit nach. „Wenn nachts ein Feuer ausbricht, brauchen ältere Menschen länger, um aufzustehen und sich in Sicherheit zu bringen“, sagte Haas, der seit 2019 hauptamtlicher Feuerwehrkommandant ist. Er riet deshalb auch dort zu Rauchmeldern, wo sie gesetzlich nicht vorgeschrieben sind. Etwa im Wohnzimmer, wo Kerzen und Elektrogeräte ein Feuer auslösen könnten.
Auch Heizdecken, defekte E-Bike-Akkus und hintereinandergeschaltete Mehrfachsteckdosen bärgen Risiken. Viele davon ließen sich schon mit wenig Aufwand beseitigen, so Haas.
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Ob Steckdosenleisten mit Kippschalter zusätzliche Sicherheit böten, wollte Waltraud Günther-Best wissen. „Ja, denn wenn der Schalter ausgeschaltet ist, fällt die Gefahrenquelle weg. Gleichzeitig spart man Energie“, sagte Haas und riet, beim Kauf nicht unbedingt zum billigsten Modell zu greifen und auf geprüfte Qualität zu achten.
Ob man die Wohnungstür aus Sicherheitsgründen nachts abschließen sollte, wollte Iris Schmidt wissen. „Abschließen kann man die Tür durchaus, den Schlüssel sollte man aber stecken lassen“, erklärte Haas. Entscheidend sei, dass sich die Tür im Ernstfall schnell von innen öffnen lasse. Wer erst bei einem Brand nach einem Fluchtweg suche, verliere wertvolle Zeit. Das gelte auch für Hotels und Veranstaltungshallen. Ein Telefon sollte griffbereit, die europaweite Notrufnummer 112 bekannt sein.
Haas: Bei Fettbrand ist Wasser tabu
Dass gut gemeinte Löschversuche die Lage noch verschlimmern könnten, machte Haas am Beispiel eines Fettbrands deutlich. Wasser sei hier tabu. Bei einem kleinen Fettbrand könne ein passender Deckel die Flammen ersticken, sofern dies gefahrlos möglich sei. Auch die Wahl des Feuerlöschers spiele eine Rolle: Geeignete Schaumlöscher seien für den Haushalt häufig praktischer als Pulverlöscher, die erhebliche Verschmutzungen hinterließen.
Wie sehr die Feuerwehr in Bretten gefordert ist, zeigen auch die Einsatzzahlen: Rund 400 Mal im Jahr rücken die Einsatzkräfte aus. Die zunehmende bauliche Verdichtung erschwere ihre Arbeit zusätzlich, so der Feuerwehrkommandant. Eine Checkliste gab den Besuchern schließlich Gelegenheit, die Sicherheit in den eigenen vier Wänden zu überprüfen. Gerade für ältere Menschen könne im Ernstfall schon der Weg vom Bett zur Wohnungstür zur entscheidenden Hürde werden, sagte Haas.


